„Grippeschutzimpfung auch heute noch die einzig sinnvolle Prophylaxe“
06.10.2006
Gut verträglich und sehr wirksam, bietet die jährliche Grippeschutzimpfung viele Vorteile vor allem für Risikogruppen. Wenn das Laub sich verfärbt, Stürme, Regen und Nebelschwaden über das Land ziehen und die Temperaturen sinken, naht auch sie: die Grippezeit. Und mit ihr die Frage: „Impfen oder nicht?“ Die Informiert sprach mit Frau Susanne Zeitz, Apothekerin bei der BKK für Heilberufe, über das Thema Grippeschutzimpfung. Frau Zeitz, gehen Sie zur Grippeschutzimpfung? Aber sicher – die gehört für mich jedes Jahr dazu. Wann sollte man sich impfen lassen? Je früher, desto besser. Die Zeit der Grippeschutzimpfungen beginnt Ende September, wenn der aktuelle Impfstoff bereitsteht. Da die klassische Influenza jedoch gehäuft bis ins Frühjahr hinein auftritt, kann man sich prinzipiell auch im Winter noch impfen lassen. Allerdings können gegen Ende der Impfsaison und bei Auftreten einer Grippewelle manchmal schon die Impfstoffvorräte knapp werden. Man sollte auch bedenken, dass der Impfschutz erst knapp zwei Wochen nach der Impfung beginnt. Ist die Grippewelle erst einmal da, kann es schon zu spät sein. Wer sollte sich impfen lassen? Zunächst einmal alle Menschen, die entweder einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind wie Angehörige medizinischer Berufe oder Berufe mit starkem Publikumsverkehr – Lehrerinnen, Busfahrer, Polizisten zum Beispiel. Darüber hinaus aber sollten alle Menschen, für die eine Grippe besonders bedrohliche Folgen haben könnte, sich impfen lassen. Menschen über 60, chronisch kranke Menschen jeden Alters … … auch Kinder? … auch Kinder, besonders wenn sie an chronischen Atemwegserkrankungen leiden wie Asthma. Denn eine zusätzlich auftretende Influenza- Infektion kann den ohnehin schon belasteten Körper überfordern. Gibt es Unverträglichkeiten oder Risiken? Die Grippeschutzimpfung gilt als ausgesprochen gut verträglich. Wie jede Impfung belastet sie zunächst das Immunsystem etwas. Es kann auch zu Rötungen oder leichten Schwellungen an der Impfstelle kommen, die schnell wieder abklingen. In den Tagen nach einer Impfung sollte man Überanstrengungen vermeiden und das Immunsystem nicht zusätzlich reizen. Natürlich kann jede Impfung auch unangenehme Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Im Risikovergleich zur Grippeerkrankung sind mögliche Impfschäden jedoch eher selten und die Folgen kaum jemals dramatisch. Eine echte Grippe hingegen kann tödlich enden. Kann sich also jeder impfen lassen? Generell: ja. Nur Menschen, die gegen Hühnereiweiß oder einen anderen der Inhaltsstoffe allergisch sind, können nicht geimpft werden. Und wer gerade einen akuten, fieberhaften Infekt hat, sollte abwarten, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Warum muss man sich jedes Jahr neu impfen lassen? Das Influenza-Virus verändert sich permanent. Um gegen die aktuell häufigsten bzw. gefährlichsten Virenstämme gerüstet zu sein, müssen auch die Impfstoffe angepasst werden. Der Impfstoff von 2005 kann also gegen die Viren von 2006 nichts mehr ausrichten. Woher weiß man, welcher Virusstamm sich gerade auf den Weg macht? Die WHO unterhält ein umfangreiches Überwachungssystem, das in 110 Ländern in nationalen Zentren die Entwicklung der Grippeviren beobachtet. Nur so kann sichergestellt werden, dass der jährliche Impfstoff Antigene gegen den gerade aktuellen Epidemiestamm enthält. Wie gut hilft die Grippeschutzimpfung wirklich? Man geht von einer Erfolgsquote von 70 % bis zu 90 % aus, wobei die Erfolgsquote bei sehr alten oder immunschwachen Menschen etwas geringer sein kann. Eingerechnet ist bereits die Möglichkeit, dass das Impfstoffdesign vielleicht doch einmal nicht dem aktuell sich ausbreitenden Virentyp entsprechen könnte. Man muss bedenken, dass die Forscher immer mit einer gewissen Vorlaufzeit arbeiten müssen. In den letzten Jahren lagen die Forscher trotzdem eigentlich immer richtig. Viele Menschen denken nun aber, dass die Grippeschutzimpfung auch vor der normalen Erkältung, also dem viel harmloseren grippalen Infekt, schützt. Bekommt man dann trotz Grippeschutzimpfung einen Schnupfen, sagt man schnell: Sieh einer an, die Impfung hat nicht gewirkt. Dem ist aber nicht so, da es sich hier um einen völlig anderen Erreger handelt. Wie lauten die offiziellen Impfempfehlungen? Normalerweise wird folgender Impfmodus empfohlen: Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren erhalten einmalig 0,5 ml. Kleinkinder ab 7. Lebensmonat bis zu 3 Jahren erhalten zweimal 0,25 ml mit einem Mindestabstand von 4 Wochen, sofern keine Vorimpfung vorgelegen hat. Wenn Kinder zwischen dem 4. und 12. Lebensjahr in den vergangenen vier Jahren nicht gegen Influenza geimpft wurden, werden zur Vervollständigung des Impfschutzes zwei Impfungen zu 0,5 ml im Mindestabstand von vier Wochen empfohlen. Muss man die Grippeschutzimpfung aus eigener Tasche bezahlen? Nein, die bezahlt die BKK für Heilberufe für ihre Versicherten und selbstverständlich auch für mitversicherte Familienangehörige. Bei besonders gefährdeten Berufsgruppen allerdings übernimmt oft der Arbeitgeber die Kosten für die Schutzimpfung des Arbeitnehmers. Gibt es Alternativen zur Grippeschutzimpfung? Sicher ist es sinnvoll, körperlich fit und mit einem belastbaren Immunstatus in die Grippesaison zu gehen. Sauna, Sport, eine ausgewogene Ernährung und Verzicht auf Alkohol und Nikotin tragen dazu bei, dass Sie möglichst fit bleiben. Doch wirklich zuverlässigen Schutz vor einem konkreten und immer auch aggressiven Virus bietet eigentlich nur die Impfung. Seit einigen Jahren drängen Arzneimittel, so genannte Neuraminidase-Hemmer, auf den Markt, deren Nutzen darin besteht, eine bereits ausgebrochene Grippe zu bekämpfen. Doch selbst die Hersteller dieser Präparate weisen darauf hin, dass diese Medikamente die Grippeschutzimpfung keinesfalls ersetzen. Worin besteht denn dann der Sinn dieser Neuraminidase-Hemmer? Es ist sehr gut, dass wir sie haben. Denn bei einer Pandemie beziehungsweise einem nicht vorhergesehenen Influenza-Stamm können sie wahrscheinlich Menschenleben retten. Deshalb kam es im letzten Jahr wegen der theoretischen Möglichkeiten einer Vogelgrippe-Übertragung von Mensch zu Mensch zu Hamsterkäufen bei diesen Mitteln. Zeitweise schien der Eindruck vorzuherrschen, dass Grippeschutzimpfungen nun der Vergangenheit angehörten. Das kann natürlich fatale Auswirkungen haben. Man könnte also sagen: Da waren die Leute schlecht „impformiert“. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn weder ist sicher, dass eine Pandemie mit unbekannten Erregern droht, noch ist bislang der Nutzen der Neuraminidase-Hemmer insbesondere bei Hochrisikogruppen und asthmatischen Kindern selbst bei einer normalen Influenza ausreichend gesichert. Bei der klassischen Grippeschutzimpfung kann man hingegen sagen, dass selbst Kleinkinder die Impfung im Regelfall sehr gut vertragen. Sogar Schwangerschaft und Stillzeit sind keine Kontraindikationen für die Grippeschutzimpfung. Bei den Neuraminidase- Hemmern hingegen gelten hier besondere Vorsichtsmaßnahmen. Noch einmal: Ich bin froh, dass wir diese Neuraminidase- Hemmer als Notnagel haben. Doch mehr als ein Notnagel sind sie nicht.
Ihre Empfehlung lautet deshalb?
Ganz klar: Lieber rechtzeitig impfen lassen als später mit ungewissem Nutzen therapieren. Denn die Grippeschutzimpfung ist auch heute noch die einzig sinnvolle Prophylaxe.
Und eine echte, ausgewachsene Influenza ist selbst für gesunde Menschen jungen oder mittleren Alters alles andere als angenehm.

Frau Zeitz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!
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Zuerst habe Infomaterial von den Krankenkassen bestellt. Der Briefkasten war zwar ziemlich voll, aber es hat sich gelohnt. Allerdings musste ich auch das Kleingedruckte studieren.

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