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Inkasso
Bundesverband
Inkasso geht gegen "Russisch Inkasso" vor Brutale Geldeintreiber
vor allem im Osten unterwegs Trübe Konjunkturaussichten und immer
mehr Firmenpleiten lassen die Zahlungsmoral im Geschäftsverkehr weiter
sinken. Vor allem Handwerksbetriebe im Osten warten stetig länger
oder gar vergebens auf ihr Geld.
Diese
Notlage nutzen illegal vorgehende Anbieter, die Geldeintreiben auf "russische
Art" versprechen: Meist werden massiver Druck und kriminelle Handlungen
in Aussicht gestellt, um Außenstände einzutreiben. Jetzt warnt
der Bundesverband Inkasso (BDIU).

"Mit
seriösem Forderungsmanagement hat dies nichts zu tun - und Gläubiger,
die darauf eingehen, können sich ebenfalls strafbar machen",
so Stephan Jender, Präsident des renommierten Wirtschaftsverbandes
mit Sitz in Hamburg. "Ihr Schuldner muss Besuch bekommen! Besuch
von russischen Spezialisten!" So bot etwa die Briefkastenfirma Robin
Hood Consultings mit Sitz in Amsterdam ihre Dienste bei aussichtslosen
Fällen an. Vorbeischauen wollte man jedoch erst, wenn "höfliche
Briefe" oder später auch "unschöne Fotos" nichts
gefruchtet hätten. Was säumige Zahler dann erwartet, deutete
eine Firma namens "Moskau Inkasso" in holperigem Deutsch nur
an: "Wir sagen Ihne glaich, dass wir nicht kommen zu trinken Kaffee!
Besser ist, sie zahlen und wir alle sind Freunde." "Russisch
Inkasso" nennen Fachleute denn auch jene zwielichtige Form des Geldeintreibens.
Deren Methoden lesen sich wie aus dem Katalog der organisierten Kriminalität.
Selbst bei Inseraten wird der Schein oft nur notdürftig gewahrt:
"Pfändungen vor Ort ohne lästigen Schriftverkehr und Zeitverlust",
"Extrem-Inkasso" oder "Wenn Ihr Schuldner Geld hat, dann
zahlt er jetzt!". "Hier ist bereits Misstrauen angebracht, denn
vertrauenswürdige Anbieter geben nie eine hundertprozentige Erfolgsgarantie",
warnt Stephan Jender, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen
(BDIU).
"
Seriöse Inkasso-Unternehmen wollen stets zwischen Gläubiger
und Schuldner vermitteln. Unsere Mitgliedsunternehmen suchen im Rahmen
der gesetzlichen Möglichkeiten nach einem Ausgleich der Interessen
statt die Konfrontation." Davon kann beim "Russisch Inkasso"
kaum die Rede sein. Diese Firmen sind keine Inkasso-Unternehmen. Sie verfügen
nicht über die spezielle Inkasso-Erlaubnis der Gerichtspräsidenten,
deren ständiger Überwachung seriöse Unternehmen unterliegen.
Schlechte Zahlungsmoral verschärft Problem "Gerade Gläubiger
im Osten geraten ins Visier der kriminellen Geldeintreiber", erläutert
BDIU-Präsident Stephan Jender. "Durch die fatale Entwicklung
bei der Zahlungsmoral stehen insbesondere viele Handwerksbetriebe mit
dem Rücken zur Wand." Auch für leidgeprüfte Gläubiger
im Westen scheint "Inkasso brutal" immer häufiger die letzte
Hoffnung zu sein. Unlautere Praktiken werden dabei notgedrungen - und
in der Regel stillschweigend - akzeptiert. Wegen gemeinschaftlicher Erpressung
in vier Fällen wurde ein Stuttgarter Kaufmann verurteilt: Er hatte
einen unseriösen so genannten Eintreibungsservice in Thüringen
eingeschaltet, der dann den späteren Klägern mit "Drohbriefen
aus Moskau" zusetzte.
"Wer
sich auf solche Geschäfte einlässt, wird zumindest erpressbar",
unterstreicht Inkasso-Präsident Stephan Jender. "Auch ein verzweifelter
Gläubiger darf niemals vergessen, dass er sich damit selbst strafbar
machen kann." Jenders Sorge gilt natürlich auch dem Ruf seines
Berufsstandes. Die im Bundesverband Inkasso organisierten Firmen sind
alle strengen rechtsstaatlichen Verfahrensweisen unterworfen. Inkasso-Unternehmen
haben eine anerkannte und traditionsreiche Rolle in der Marktwirtschaft.
Doch immer wieder bringen schwarze Schafe außerhalb des Inkasso-Verbandes
medienwirksam auch die von den örtlichen Gerichtspräsidenten
zugelassenen und beaufsichtigten Inkasso-Unternehmen mit in Verruf. Vor
einigen Jahren hatten so genannte "Schwarze Schatten", die Schuldner
in der Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt bloßstellen, für
Negativschlagzeilen gesorgt.
"Solche
Entgleisungen rücksichtsloser Geschäftemacher werden mittlerweile
- auch unterstützt durch unsere Recherchen - von Gerichten als Nötigung
verfolgt", stellt Stephan Jender für den Bundesverband Inkasso
klar. "Aber verbrecherische Handlungen mit Androhung oder gar Ausübung
von Gewalt bedeuten eine neue Dimension, die entschieden bekämpft
werden muss." Kein leichtes Unterfangen, da kriminelle Geldeintreiber
schon beim Vertragsabschluss konspirativ vorgehen. So wurden etwa telefonisch
Treffs in Hotelbars oder Autobahnraststätten vereinbart.
Vor allem bei vermeintlich hohen Außenständen des Gläubigers
drängten die selbst ernannten "Baseball-Spezialisten" in
Luxuskarossen auf eine sofortige Auftragserteilung. Für ihre Dienste
verlangten sie eine Anzahlung von fünf und zehn Prozent der Forderungssumme,
mitunter war von Tagessätzen von 800 Euro und mehr die Rede. Als
Erfolgsprovision werden bis zu 30 Prozent der Forderung verlangt. Mysteriöse
Firmen wie Finemark Ltd. wollen vom Schuldner sogar erst "ablassen",
wenn dieser die Forderung nebst einer "Spende" von bis zu 50
Prozent der geschuldeten Summe beglichen hat. Bundesverband Inkasso: Hintermännern
das Handwerk legen Nach Beobachtungen seriöser Inkasso-Unternehmen
handelt es sich bei einschlägigen Zeitungsinseraten häufig auch
um "Trittbrettfahrer", die nur eine hohe Vorauszahlung kassieren
wollen, um dann möglichst abzutauchen.
"In
solchen Fällen kommt der Gläubiger gleich doppelt zu Schaden",
analysiert BDIU-Chef Jender. "Zum einen wird er in illegale Machenschaften
verwickelt, zum anderen wirft er schlechtem Geld noch gutes Geld hinterher."
Es gebe verschiedene Indizien, die Hinweise auf kriminelle Anbieter auf
diesem grauen Markt lieferten: So existiere in der Regel keine deutsche
Adresse mit Straßenbezeichnung und keine Kontoverbindung. Üblich
sei Barzahlung - oft im Voraus. Treffen werden über Mobilfunknummern
vereinbart. Durch eigene Recherchen werden der Bundesverband Inkasso und
seine Mitgliedsunternehmen künftig noch stärker zur Strafverfolgung
der Hintermänner beitragen.
Aber auch eine noch intensivere Zusammenarbeit mit Justiz und den Handwerkskammern,
vor allem im Osten, ist vorgesehen. "Verbrecherische Organisationen
und Einzelpersonen machen mit der Not und der Angst von Menschen Geschäfte",
merkt Inkasso - Präsident Stephan
Jender an.
Daraus machen Anbieter wie Robin Hood Consultings übrigens gar keinen
Hehl - schließlich sollen eindeutige Botschaften bei Gläubigern
und Schuldnern gleichermaßen Wirkung hinterlassen:
"Seien Sie versichert, wir möchten unseren Mitarbeitern auch
nicht begegnen, im Dunkeln schon gar nicht!"
Hamburg, September 2005
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